Sommerschule 2012: "Globalizing southeastern Europe"
Die Prozesse der Globalisierung haben in den Geistes- und Sozialwissenschaften Debatten darüber ausgelöst, welche Paradigmen zur Beschreibung von globalem Wandel besonders geeignet sind. Raumübergreifende Fragestellungen haben dabei an Interesse gewonnen und herkömmliche nationalgeschichtliche Konzepte in die Defensive gedrängte. "Raum" wird dabei nicht länger im Sinne einer gegebenen, quasi natürlichen Konstante begriffen, sondern Konfigurationen des Lokalen, des Regionalen, des Nationalen und des Transnationalen werden zunehmend als historisch veränderbare und kontingente Konstellationen gedeutet. In den Debatten um "global history" und "global studies" haben derartige Fragestellungen mittlerweile einen interdisziplinären Diskussionsrahmen erhalten. Für die Südosteuropa-Forschung sind derartige Diskussionen bestenfalls in Ansätzen genutzt worden. Fragen einer globalgeschichtlichen Verortung Südosteuropas werden bislang so gut wie gar nicht debattiert. Ob und wie das Konzept einer "global history" und Fragen von raumübergreifenden Vernetzungen und Verflechtungen für die historische und sozialwissenschaftliche Analyse Südosteuropas genutzt werden kann und wie umgekehrt Südosteuropa in eine sich als globalgeschichtlich verstehende Perspektive auf historisches Handeln eingeschrieben werden kann, steht noch weithin am Anfang. Auch die universitäre Lehre stellt mit ihrer immer noch dominant nationalgeschichtlichen oder regionalwissenschaftlichen Ausrichtung für derartige interdisziplinäre und transnationale Fragestellungen bislang kaum Raum zur Verfügung.
Aktivitäten und Output:
An diesem Dilemma möchte das IP ansetzen. In zwei inhaltlich und didaktisch aufeinander aufbauenden Intensivkursen sollen (1) die Studierenden mit theoretische Fragen von "global history/global studies" vertraut gemacht werden und (2) diese Fragestellungen an vier ausgewählten thematischen Feldern (Imperien und Nationalstaaten, "Internationalizing politics since 1918", der Kalte Krieg, Transformation und Globaliziation) mit Blick auf den Raum Südosteuropa vertiefen. Aus diesen Diskussionen sollen (3) studentische Arbeitsprojekte entworfen werden, die im Anschluss an den ersten Intensivkurs zu Seminararbeiten ausgearbeitet und in einem zweiten Intensivseminar zur Diskussion gestellt werden. Gemeinsames Arbeitsergebnis soll abschließend (4) die Ausarbeitung eines modularisierten curriculums für universitäre Seminare zum Thema "Globalizing Southeastern Europe" sein, das an den beteiligten Universitäten in den Lehrbetrieb integriert werden können.
Zielgruppen:
MA- sowie PhD-Studierende
Arbeitssprache:
englisch

